Montag, 17. November 2014

Berlin eine Reise wert

Nach diesem Wochenende kann ich darauf antworten: Jawohl!!!

Lange habe ich mit der Entscheidung gerungen, soll ich nach Berlin zur 1. Buch fahren, oder nicht. Ich war ja schon in Frankfurt, und Leipzig ist ebenso ein Muss. Also, drei Buchmessen sind etwas viel. Aber letzten Endes und auch, weil ich all die Autoren live sehen und kennenlernen wollte, die sich bereits angemeldet haben, stand mein Entschluss fest.
Ashan fährt nach Berlin!!!

Mein erstes Mal. Ich bin eher die Provinzpflanze, die sich selbst in ihrer Heimatstadt verfahren kann. Bewaffnet mit Bahnhofs- bzw. Gleisplänen, damit ich auch ja das richtige Gleis finde, mache ich mich Freitag vormittag auf den Weg. Kurz vor zehn Uhr geht die Reise los. 6 Stunden im Zug nutze ich, um an den Korrekturen zu Drachenfedern zu arbeiten, aus dem Fenster zu gucken, Fotos von der dahinfliegenden Landschaft zu machen und mir die Gegend anzusehen. Was mir auffiel, je weiter ich in den Osten kam: Es gibt eine Menge alter, riesiger Garagenhöfe in der Nähe der Bahngleise :D

Um kurz vor vier Uhr Nachmittag kam ich am Südkreuz an. Dank meiner Vorarbeit fand ich auf Anhieb die richtige S-Bahn, umsteigen in die nächste und stand wenig später am Bahnhof Karlshorst. Der erste Schreck folgte sogleich, da der Ausgang, durch den ich den Bahnhof verlassen sollte und direkt zur Straße kam, in der das Hotel stand, war gesperrt und ich musste einen anderen nutzen. Ich Provinzpflanze stand nun abseits und musste den Weg zurückfinden. Aber das war dank der Menschen, die anscheinend auch in die Richtung wollten, in die ich musste, ganz einfach. Ganz das Herdentier folgte ich ihnen einfach. Abenteuermutig war in dem Moment etwas anderes. Ich nannte es eher Verzweiflung. Aber meine Hoffnung erfüllte sich und ich fand auf den rechten Pfad zurück.

Fünf Minuten Laufen, ganz wie google-maps mir erzählt hat, dann stand ich vor dem Hotel. Eine tolle Drachendeko begrüßt mich.





Ja, hier kann ich mich nur wohl fühlen.

Schnell einchecken, Zimmer inspizieren, kurz zuhause melden, damit die Lieben aufhören, sich Sorgen um mich zu machen, dann wieder runter, die anderen suchen.
Das war leichter gesagt, als getan. Niemand hier.
Nach einigem Suchen und Warten begegne ich dem Ersten, Jobst und bin froh und erleichtert. Ich dachte schon, im falschen Hotel abgestiegen zu sein. Doch von der Kuschelgang nichts zu sehen. Dabei soll das ganze Hotel von den Autoren eingenommen worden sein. Aber so sind die alle?

Da am späteren Abend ein Treffen mit den Schwestern des Ordens des perpetuellen Indulgenz geplant war, müssten sie irgendwann in der Bar auftauchen. Also bin ich schon mal losgestapft. Doch auch hier war niemand, der mir auf Anhieb bekannt vorkam. War ich doch in der falschen Stadt? Es war ja auch noch sehr früh. 18 Uhr, das Treffen war um 19 Uhr geplant. Also wieder zurück, zum Hotel. Niemand mehr hier. Wieder zurück. Auf dem Weg hab ich einen Rewe entdeckt und meinen vernachlässigten Magen mit einem Croissant etwas beruhigt. Dann wieder zum Hotel. Da stand endlich eine Traube von Leuten vor dem Hotel. Also bin ich doch richtig :D

Gemeinsam sind wir zur Havanna-Bar, wo bereits zwei Schwestern auf uns gewartet haben, die genauso viel zu früh dran waren, wie wir. Das Treffen war erst um 20:30 Uhr angeordnet und wir fanden uns schon um 19 Uhr ein. So hatten wir Zeit für erste Gespräche. Das Raucherzimmer, in das man uns verfrachtete, war zwar nicht so ideal, aber man gewöhnt sich fast an alles. Zum Glück verfügte die Bar über eine gute Belüftung, sodass man auch als Nichtraucher noch einigermaßen atmen konnte.

Zur ursprünglich verabredeten Zeit kamen die restlichen Schwestern. Es wurde voll, kuschelig und hoch interessant.




Die Schwestern waren von uns ebenso voll begeistert, wie wir von ihnen. Wer mehr von ihnen wissen will, kann sich auf ihrer Homepage informieren.

Da das Lokal mit dem Fortschreiten des Abends immer voller, lauter und verrauchter wurde, haben wir uns ins Hotel verzogen. Im Gastraum des Hotels gingen die Gespräche weiter und endeten - wie ich am nächsten Morgen erfahren habe - bei einigen erst ziemlich früh.

Nach dem Frühstück ging es dann zur Buchmesse, die man vom Hotel aus gut zu Fuß erreichen konnte. Im Audimax der Hochschule für Technik und Wirtschaft erwartete uns eine sehr familiäre Atmosphäre. Auf einer Fläche kaum größer als eine Schulturnhalle konnte man sich gemütlich und fast ohne Drängeln und Schubsen den Büchern widmen. In gefühlten 5 Minuten waren sämtliche Stände besucht - Nein, ich habe eine ganz gemütliche Stunde gebraucht, um mich über das Angebot zu informieren, mich dem einen oder anderen Stand näher zu widmen und ein paar Gespräche zu führen.


Dabei hatte der Deadsoft Verlag den wohl besten Platz in der Halle. Ganz hinten im Eck, direkt vor der Lesebühne war genug Platz, um sich zu treffen, zu quatschen und den Stand zu umlagern.
Hier konnte ich endlich mal die Autoren persönlich in Augenschein nehmen, die ich bisher nur von Buchtiteln oder von Facebook kenne. Hin und wieder fühlte ich mich wie ein Fangirlie :D


Natürlich traf sich auch die Kuschelgang zusammen. In der Abgeschiedenheit der Treppen, die den Ausgang zum normalen Buchbereich verband, kuschelten wir uns zu einem Foto zusammen.



Ich habe mich ganz dolle auf dieses Wiedersehen gefreut. In Leipzig konnte ich die Gang ja schon ein paar Tage lang genießen, heute war es nur ein Tag, aber es war einfach schön, ihnen erneut zu begegnen.

Auch all die anderen Autoren zu sehen, mit ihnen zu reden, auszutauschen war ein Erlebnis, von dem ich noch lange zehren werde. Viele habe ich mir ganz anders vorgestellt - fragt mich nicht wie, aber ich war überrascht, sehr angenehm. Es war eine lockere, fröhliche Runde, in der viel gelacht, gequatscht und diskutiert wurde. Ein paar Tassen Kaffee, gegen die drohende Erschöpfung und der schmerzenden Füße, und ein paar Waffeln, gegen den knurrenden Magen, wurden natürlich auch konsumiert. Autogramme wurden in Bücher, Leseprobensammlungen und auf Ebook-Reader-Hüllen gekritzelt.

Irgendwann hing uns allen der Magen schließlich so tief zwischen den Knien, dass wir uns auf den Weg zurück ins Hotel machten, wo ein Buffett auf uns warten sollte. Leider richteten die Hoteliers nicht für uns, sondern für eine armenische Hochzeit, die im Nebenzimmer gefeiert wurde. Wenn einem selbst der Magen wütend entgegen knurrt und Speisen an einem vorbeigetragen wurden, die sämtliche Sinne ansprach, konnte man echt zum Tier werden.
Ich hatte wirklich Hunger. Die Müsliriegel auf dem Hotelzimmer interessierte mich jedoch nicht. Ich wollte das versprochene armenische Buffet. Gegen 20:45 war es dann endlich so weit. Wir durften das Buffet stürmen.



Fragt mich bitte nicht, was es alles war, aber es war lecker!
Natürlich stopfte ich viel zu viel in mich hinein. Ich wusste, dass ich es in der Nacht noch bereuen würde. Denn auf vollem Magen schläft es sich schlecht. Aber ich konnte mich nicht zurückhalten. Das Essen war einfach köstlich. Ich hab trotzdem sehr gut geschlafen.

Vollgefressen, gesättigt saßen wir noch eine Weile beisammen, quatschten über alle möglichen Themen.





Ich muss sagen, dass es ein ganz toller Abend war. Ich hab so viele interessante Leute gesprochen und endlich mal die Gesichter hinter manchen Avatare kennengelernt. Es waren so viele Leute, dass ich nicht mehr alle aufzählen kann. Ich werde es auch nicht, aus Angst einen zu vergessen. Es war ein unvergesslicher Tag, an den ich noch lange denken werde.

Das Frühstück am nächsten Tag kam viel zu schnell und reichte nicht aus, um all die Bekanntschaften noch weiter zu vertiefen. Mit Wehmut packte ich schließlich meine Sachen zusammen und verließ das Hotel Richtung Bahnhof.

Da man das Zimmer um 11 räumen musste, war ich fast 2,5 Stunden zu früh dran. Für eine Besichtigungstour zu den Sehenwürdigkeiten war die Zeit zu knapp. Gern hätte ich noch das Brandenburger Tor, den Alexplatz oder das Denkmal der Mauer gesehen, oder andere Sachen, die man gesehen haben muss. So stand ich etwas verloren auf dem kalten, zugigen Südbahnhof herum und kam erst nach 20 Minuten hin und herschlendern drauf, mir ein Cafe zu suchen. Der Zivilisation sei Dank gibt es fast überall einen McDonalds, wo ich eine warme Mahlzeit einnehmen und mir die Zeit bis zur Abfahrt vertreiben konnte. 6,5 Stunden Bahnfahrt, bei der eine nervende Tür so langsam aber sicher auf den Senkel ging, weil sie nicht ins Magnetschloss einschnappen wollte und alle 5 Sekunden auf- und mit Geschepper wieder zuging. Wenn sie denn endlich still war, musste irgendjemand aufs Klo oder kam vom Klo und ließ natürlich die Automatik-Tür offen stehen, da sie eigentlich automatisch zugehen sollte. Aber sie schnappte wieder nicht ein und versuchte es unermüdlich alle 2 Sekunden. Ich kann euch sagen, das nervt. Aufstehen und das blöde Ding zudrücken nützte gerade mal für 2 Minuten etwas, weil dann wieder jemand durch die Tür musste.

Okay, genug des Gejammer. Die Stöpsel ins Ohr und Musik hören, endlich eine Geschichte lesen, die ich schon lange lesen wollte. Leider nudelte das den Akku meines Handys so schnell leer, dass ich ich es schließlich aufgab, meinen Läppi rausholte und da weiterlas. Zum Glück pennte der Typ neben mir, sodass er nicht mitbekam, wie Sha seinen Jag vernaschte :D

Um neun Uhr war ich endlich zu hause. Nach einem erlebnisreichen und wunderschönen Wochenende. Ich würde es auf jeden Fall noch einmal wiederholen. Vielleicht einen Tag mehr einplanen, damit ich mir noch etwas mehr von Berlin ansehen kann, außer Hotels, Buchmessen und Bahnhöfe. Aber die ganzen Leute gesehen zu haben, war es wert.
Ich bedanke mich bei allen, die mir begegnet sind und bedauere es, einige verpasst zu haben.

Berlin, war eine Reise wert und wird es nächstes Jahr bestimmt wieder sein.