Donnerstag, 21. August 2014

Ärgerlich und unnötig wie ein Kropf

Sie sind unter uns. Leute, wie du und ich. Arbeiten im Geheimen und im stillen Kämmerchen.

Piraten, Plagiatoren

Nicht solche, die mit Schwertern und heroischen Gesten wunderhübsche Jungfrauen aus Palästen rauben, Gold und Diamanten an geheimen Orten verstecken oder total schräg daherkommen.

Es sind Räuber, allerdings am geistigen Hab und Gut rechtschaffender Autoren. Sie bedienen sich schamlos an den eBooks, stellen sie auf Download-Seiten für lau oder kostenlos ein oder veröffentlichen sie gar unter eigenem Namen, ohne oder mit klitzekleinen Abwandlungen in der Handlung selbst.

Räuber!!!

Bisher bin ich von Plagiatoren verschont geblieben. Aber Piraten bedienen sich skrupellos an meinen Storys, als hätte ich sie schubkarrenweise in Wühltische gekarrt. Beinahe jeden Tag entdecke ich im www auf der Suche nach mir selbst und dem Verbleib meiner Bücher neue Download-Seiten, auf denen meine eBooks kostenlos oder für wenige Cent angeboten werden. Ich stehe nicht allein. Auf Facebook und in Autorenkreisen geht ein fassungsloses Kopfschütteln um. Wut, Unverständnis ...

Ich weiß nicht, wie diese Piraten auf die Idee kommen, sie hätten ein Recht darauf, meine Geschichten kostenlos der Öffentlichkeit zu präsentieren. Ich allein habe das Recht an meinen Geschichten. Nur weil ich sie auf amazon oder anderen Portalen zum Lesen anbiete, sind sie kein Allgemeingut. Es gibt immer noch das Urheberrecht, das mir die alleinige Verfügung meiner Werke gestattet. Die Ausrede der dreisten Diebe, dass alles teurer geworden ist, ist so was von fadenscheinig und weit an den Haaren herbeigezogen, dass es schon lächerlich ist. Was würde mein Bäcker um die Ecke dazu sagen, wenn ich ab jetzt beschließe, seine leckeren, frisch gebackenen Semmeln zu klauen, weil ich nicht das Geld dazu habe und sie sowieso zu teuer sind? Richtig, ich hätte ne Anzeige wegen Diebstahl am Hals.

Dabei machen es die Piraten besonders schlau. Sie wissen genau, dass sie etwas Illegales tun und laden daher die Download-Seiten dort hoch, wo man nicht hinkommt, um sie sperren zu lassen, verschleiern sich hinter Pseudonymen oder Anonymisierungsdiensten oder laden erst gar kein Impressum hoch, an das man sich wenden kann. Falls man es wirklich schafft, die Geschichte runternehmen zu lassen, dann ist sie in spätestens zwei Tagen erneut hochgeladen oder auf einer anderen Seite zu lesen.

Nichtsdestotrotz ist es Diebstahl, was die Piraten machen. Diebstahl an meinem Eigentum. Ich muss für die Veröffentlichung auch bezahlen, sitze Monate- oder gar Jahrelang an der Story, opfere meine Freizeit, tippe, plane, zerbreche mir den Kopf, lebe und sterbe mit ihr. Ich muss das Korrektorat bezahlen. Die Bilder für das Cover. Den Coverdesigner ...
Mit meinem Geld, das ich entweder in meinem RL-Job verdienen oder mit den Verkäufen des Buches wieder reinbringen muss. Ich als Selfpublisher muss froh sein, wenn die Verkaufszahlen nach Monaten im Verkauf dreistellig werden. Es ist allenfalls ein kleines Zubrot, das ich mir damit verdienen kann.

Ich weiß nicht, ob das den Piraten wirklich so klar ist. Wahrscheinlich schon. Juckt sie aber nicht.

Natürlich habe ich auch nicht das Geld, um all die Ebooks zu kaufen, die ich gerne lesen möchte. Aber deswegen stehle ich sie nicht. Für das, was ich mir ungerechtfertigt aneigne, muss ein anderer arbeiten.

Aber vielleicht ist genau das der springende Punkt. Vielleicht wollen die Piraten nicht arbeiten, sondern sich einfach nur bedienen - unter fahlen, fadenscheinigen, schlechten Ausreden.

Pfui!!!

Wenn ihr so weitermacht, können wir Autoren es uns nicht mehr lange leisten, euch durchzufüttern. Denn es ist nämlich alles teurer geworden. Auch ihr Schmarotzer. Bäh!

Sauer!

Was mich aber auch noch zusätzlich sauer macht, ist die Tatsache, dass es anscheinend genug Leute gibt, die diese Download-Seiten nutzen und sich dort die Sachen herunterladen - wenn ich mir die Download-Zahlen auf den entsprechenden Seiten verinnerliche. Die Kriminellen, die diese Seiten erstellen, ist die eine Sache. Die nicht weniger Kriminellen, die sich dort anmelden und die Dienste nutzen, eine nicht zu vernachlässigende andere. Es gibt auch leider viele Foren, in denen Kaufstorys zum kostenlosen Download gesucht werden. Wenn es diese "Konsumenten" nicht gäbe, gäbe es auch keinen Bedarf an "kostenlosen" Geschichten. Es gibt genug legale Seiten, wo man durchaus lesenswerte Geschichten kostenlos lesen kann. Aber anscheinend haben es die "Käufer/Downloader" nicht nötig, sich mit kostenlosem Zeug abzugeben. Was nichts kostet, ist nichts wert. Oder wie? Wie steht es dann mit den zwangsverkostenlosten Sachen der Piraten?

Ärgerlich und unnötig wie ein Kropf ist diese ganze Sache. Ich ackere, um meinen Lesern eine tolle Story zu bieten und andere reißen sie sich unter den Nagel, mit so faulen Ausreden wie: "eBooks gehören aus dem Kommerz befreit!" Ich würde zugerne wissen, was diese Schnorrer dazu sagen, wenn ihr Chef von ihnen verlangt, ab sofort unentgeltlich zu arbeiten.